Auto vom Jobcenter oder Arbeitsamt: Zuschuss für Kauf, Reparatur und Fahrtkosten
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Einen festen Anspruch auf ein „Auto vom Jobcenter“ gibt es nicht. Jobcenter und Agentur für Arbeit können aber den Kauf oder die Reparatur eines Fahrzeugs aus dem Vermittlungsbudget bezuschussen, wenn du es für eine konkrete Arbeitsstelle brauchst und sie ohne Auto nicht erreichen kannst (§ 44 SGB III, beim Jobcenter in Verbindung mit § 16 SGB II). Für Menschen, die wegen einer Behinderung auf ein Auto angewiesen sind, gibt es zusätzlich die Kraftfahrzeughilfe mit einem Zuschuss von bis zu 22.000 € für den Kauf. Entscheidend ist in allen Fällen: Antrag vor dem Kauf.
Das Wichtigste in Kürze
- Gefördert wird nur, wenn das Fahrzeug für eine konkrete Arbeit nötig ist – in der Praxis meist mit unterschriebenem Arbeitsvertrag.
- Neben dem Auto kommen auch Roller, Mofa, Pedelec oder Fahrrad infrage.
- Kraftfahrzeughilfe bei Behinderung: bis zu 22.000 € Bemessungsbetrag, Zuschuss abhängig vom Einkommen.
- Ein angemessenes eigenes Auto darfst du beim Grundsicherungsgeld behalten.
Weg 1: Zuschuss aus dem Vermittlungsbudget
Das Gesetz zählt keine einzelnen Fördergegenstände auf. Agenturen und Jobcenter entscheiden nach Ermessen und legen ihre Maßstäbe in eigenen Weisungen fest. Wie streng das ist, zeigt die Arbeitshilfe des Jobcenters Köln (Stand 14.06.2024) zum Fahrzeugkauf:
- Zwingende Voraussetzung ist ein abgeschlossener Arbeitsvertrag.
- Typische Fälle: Der Arbeitsort ist mit Bus und Bahn nicht regelmäßig erreichbar, etwa bei Schicht- oder Bereitschaftsdiensten; die Nutzung ist nicht zumutbar, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen oder bei nächtlichem Arbeitsbeginn; besondere Lebenssituationen wie Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen; oder die Arbeit setzt ein eigenes Auto voraus, etwa im Pflege- oder Kurierdienst – das muss dann aus dem Arbeitsvertrag hervorgehen.
- Drei Kostenvoranschläge musst du vorlegen. Das Jobcenter prüft Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit und recherchiert notfalls selbst Preise.
- Auszahlung erst gegen Kaufvertrag oder Rechnung, nicht schon auf den Kostenvoranschlag. Auf Wunsch gibt es vorher eine schriftliche Kostenzusage.
- Auflagen: Du musst die Arbeit tatsächlich aufnehmen und die zweckentsprechende Verwendung nachweisen, etwa mit einer Kopie der Zulassungsbescheinigung.
Für eine Reparatur gelten nach der Kölner Arbeitshilfe dieselben Voraussetzungen. Die Förderung aus dem Vermittlungsbudget ist ein Zuschuss, kein Darlehen. Andere Jobcenter und die Arbeitsagenturen können eigene Regeln haben – frag deshalb vor jedem Schritt bei deiner Ansprechperson nach. Mehr zu allen Kosten, die das Vermittlungsbudget abdeckt, liest du in unserem Ratgeber dazu.
Weg 2: Hilfe, wenn du schon arbeitest
Fällt das Auto erst nach dem Jobstart aus, kommt es darauf an, ob du noch Grundsicherungsgeld beziehst:
- Kein Leistungsbezug mehr wegen des neuen Lohns: Leistungen aus dem Vermittlungsbudget sind noch bis zu sechs Monate nach Beschäftigungsaufnahme möglich (§ 16g Abs. 2 SGB II), wenn sie nötig sind, um die Stelle zu halten.
- Weiter aufstockend im Leistungsbezug: Hier kann das Jobcenter über die freie Förderung nach § 16f SGB II helfen. Nach der Kölner Arbeitshilfe sind dabei Zuschüsse oder Darlehen für Reparatur, Führerschein oder Neuanschaffung denkbar – aber nur, wenn das zur Erhaltung der Arbeit zwingend nötig ist, etwa bei drohendem Jobverlust.
Das Einstiegsgeld ist übrigens nicht für Autokosten gedacht. Die Kölner Weisungen schließen ausdrücklich aus, damit Kfz-Reparaturen oder Fahrtkosten abzufedern.
Weg 3: Kraftfahrzeughilfe bei Behinderung
Bist du wegen einer Behinderung nicht nur vorübergehend auf ein Auto angewiesen, um zur Arbeit oder Ausbildung zu kommen, gibt es die Kraftfahrzeughilfe nach der Kraftfahrzeughilfe-Verordnung (KfzHV). Zuständig ist der jeweilige Rehabilitationsträger, etwa die Rentenversicherung, die Unfallversicherung oder die Bundesagentur für Arbeit (§ 1 KfzHV). Sie umfasst (§ 2 KfzHV):
- einen Zuschuss zum Kauf eines Autos – Bemessungsbetrag höchstens 22.000 €, Gebrauchtwagen mit mindestens 50 % des damaligen Neupreises (§§ 4, 5 KfzHV),
- die vollen Kosten einer behinderungsbedingten Zusatzausstattung (§ 7 KfzHV),
- einen Zuschuss zum Führerschein (§ 8 KfzHV).
Wie viel vom Kaufpreis bezuschusst wird, hängt vom monatlichen Nettoeinkommen ab, gemessen an der Bezugsgröße der Sozialversicherung (2026: 3.955 € im Monat). Für jeden Familienangehörigen, den du unterhältst, werden 12 % der Bezugsgröße, also 474,60 €, vom Einkommen abgezogen (§ 6 KfzHV):
| Nettoeinkommen bis | in Euro (2026) | Zuschuss in % des Bemessungsbetrags |
|---|---|---|
| 40 % der Bezugsgröße | 1.582,00 € | 100 % |
| 45 % | 1.779,75 € | 88 % |
| 50 % | 1.977,50 € | 76 % |
| 55 % | 2.175,25 € | 64 % |
| 60 % | 2.373,00 € | 52 % |
| 65 % | 2.570,75 € | 40 % |
| 70 % | 2.768,50 € | 28 % |
| 75 % | 2.966,25 € | 16 % |
Beispiel: Jana ist Rollstuhlfahrerin, ledig und verdient 2.100 € netto. Damit liegt sie unter 2.175,25 € und erhält 64 % des Bemessungsbetrags. Kostet ihr Auto 22.000 € oder mehr, sind das 14.080 €. Die Umbauten für den Rollstuhl werden zusätzlich voll übernommen. Unterhält sie ein Kind, sinkt ihr anzurechnendes Einkommen auf 1.625,40 € – dann gibt es 88 %, also 19.360 €.
Ein erneuter Zuschuss soll frühestens fünf Jahre nach dem letzten geförderten Kauf gezahlt werden (§ 6 Abs. 4 KfzHV). Beantrage die Hilfe vor dem Kaufvertrag (§ 10 KfzHV). In besonderen Härtefällen sind abweichende Leistungen und ein zinsloses Darlehen möglich (§ 9 KfzHV).
Eigenes Auto und Grundsicherungsgeld
Ein angemessenes Kraftfahrzeug für jede erwerbsfähige Person in der Bedarfsgemeinschaft zählt beim Grundsicherungsgeld nicht als Vermögen. Die Angemessenheit wird vermutet, wenn du das im Antrag erklärst (§ 12 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB II). Arbeitest du und bekommst ergänzend Grundsicherungsgeld, werden notwendige Ausgaben für die Erzielung des Einkommens – dazu gehören Fahrtkosten – über die Absetzbeträge berücksichtigt (§ 11b SGB II). In der Steuererklärung kannst du die Fahrten zur Arbeit zusätzlich als Werbungskosten ansetzen.
Häufige Fragen
Bezahlt das Jobcenter ein Auto, wenn ich noch keinen Job habe?
In der Regel nicht. Nach der Kölner Arbeitshilfe ist ein abgeschlossener Arbeitsvertrag zwingende Voraussetzung für einen Fahrzeugkauf.
Muss ich das Geld zurückzahlen?
Leistungen aus dem Vermittlungsbudget sind Zuschüsse. Wird die Förderung mit Auflagen verbunden, etwa der Arbeitsaufnahme bei einem bestimmten Arbeitgeber, kann ein Verstoß dazu führen, dass die Bewilligung aufgehoben wird.
Übernimmt das Jobcenter auch Versicherung und Steuer fürs Auto?
Laufende Kosten gehören nicht zu den typischen Leistungen des Vermittlungsbudgets. Wenn du arbeitest und aufstockst, können notwendige Kosten über die Absetzbeträge beim Einkommen berücksichtigt werden. Kläre das im Einzelfall mit dem Jobcenter.
Gibt es auch Geld für ein Fahrrad oder Pedelec?
Ja, das ist möglich. Die Kölner Arbeitshilfe nennt ausdrücklich auch Roller, Mofa, Pedelec und Fahrrad.
Quellen
- § 44 SGB III: Förderung aus dem Vermittlungsbudget
- § 16f SGB II: Freie Förderung
- § 16g SGB II: Förderung bei Wegfall der Hilfebedürftigkeit
- § 12 SGB II: Zu berücksichtigendes Vermögen
- § 11b SGB II: Absetzbeträge
- Kraftfahrzeughilfe-Verordnung (§§ 1–10 KfzHV)
- Deutsche Rentenversicherung: Sozialversicherungsrechengrößen 2026 (Bezugsgröße)
- Jobcenter Köln: Arbeitshilfe Vermittlungsbudget, Kapitel Fahrzeugkauf und -reparatur (Stand 14.06.2024)
