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Arbeitslosengeld & Bürgergeld

Führerschein vom Jobcenter oder Arbeitsamt: Wann die Kosten übernommen werden

Fakten und Zahlen geprüft am

Den Autoführerschein (Klasse B) können Jobcenter und Agentur für Arbeit aus dem Vermittlungsbudget bezahlen, wenn er für deine berufliche Eingliederung notwendig ist – in der Praxis vor allem, wenn eine konkrete Stelle den Führerschein zwingend voraussetzt (§ 44 SGB III, beim Jobcenter in Verbindung mit § 16 SGB II). Einen Rechtsanspruch gibt es nicht. Lkw- und Busführerscheine für Berufskraftfahrer werden dagegen nur als berufliche Weiterbildung mit Bildungsgutschein gefördert. Ganz wichtig: Melde dich nicht vor der Zusage bei der Fahrschule an.

Das Wichtigste in Kürze

  • Klasse B: meist nur mit konkreter Einstellungszusage, für die der Führerschein zwingend ist, oder wenn der Arbeitsweg ohne Auto nicht machbar ist.
  • Üblich: drei Kostenvoranschläge von Fahrschulen, Auszahlung in Teilbeträgen gegen Nachweis.
  • Lkw und Bus (Berufskraftfahrer): über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit.
  • Menschen mit Behinderung: Zuschuss nach der Kraftfahrzeughilfe-Verordnung, je nach Einkommen bis zur vollen Höhe.

Wann der Autoführerschein bezahlt wird

Das Gesetz nennt keine Liste förderfähiger Kosten. Nach den Fachlichen Weisungen der Bundesagentur entscheiden die Vermittlungsfachkräfte nach Ermessen, ob und welche in deiner Person liegenden Hindernisse ausgeglichen werden müssen. Für den Führerschein haben viele Jobcenter eigene Regeln. Ein Beispiel ist die Arbeitshilfe des Jobcenters Köln (Stand 14.06.2024). Danach ist eine Förderung möglich, wenn

  • du unmittelbar eine Stelle antreten kannst, für die der Führerschein Klasse B zwingende Voraussetzung ist, und das mit einer konkreten Einstellungszusage belegst – am besten mit einem arbeitsrechtlichen Vorvertrag, oder
  • du wegen deiner Wohnlage und fehlender öffentlicher Verkehrsmittel ohne Auto keinen Arbeitsplatz erreichen kannst, oder
  • ein besonders begründeter Ausnahmefall vorliegt – etwa eine ausgebildete Pflegekraft ohne Führerschein, für die es viele offene Stellen in der mobilen Pflege gibt.

Für Helfertätigkeiten wird der Führerschein dort in der Regel nicht gefördert, weil es genügend Helferstellen ohne Führerschein gibt. Kosten für eine MPU werden nur in seltenen Ausnahmefällen übernommen, weil ihr Ausgang unsicher ist.

So läuft die Förderung ab

  1. Mit der Vermittlung sprechen und die Gründe darlegen: Stellenangebot, Einstellungszusage, Arbeitszeiten, fehlende Bus- und Bahnverbindung.
  2. Drei Kostenvoranschläge von Fahrschulen einholen. Das Jobcenter wählt das am besten geeignete Angebot aus.
  3. Antrag stellen, bevor Kosten entstehen. Leistungen der Arbeitsförderung gibt es nur, wenn sie vorher beantragt wurden (§ 324 SGB III, beim Jobcenter § 37 SGB II).
  4. Bescheid abwarten: Er nennt den Höchstbetrag, den Zweck und wie lange er gilt. In Köln sind das regelmäßig vier bis höchstens sechs Monate.
  5. Nachweise einreichen: Gezahlt wird meist in Teilbeträgen, etwa nach Anmeldung zur Prüfung oder gegen die Übersicht der Fahrstunden. Zusätzliche Fahrstunden müssen neu beantragt werden.

Die Förderung aus dem Vermittlungsbudget ist ein Zuschuss, kein Darlehen. Brauchst du zusätzlich ein Fahrzeug, findest du die Voraussetzungen im Ratgeber Auto vom Jobcenter.

Lkw- und Busführerschein: nur über Weiterbildung

Für Berufskraftfahrer im Güter- und Personenverkehr gilt das Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz. Die entsprechenden Führerscheine werden nach der Kölner Arbeitshilfe ausschließlich im Rahmen einer geförderten beruflichen Weiterbildung bezahlt, nicht aus dem Vermittlungsbudget. Dafür brauchst du einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit, mit dem du einen zugelassenen Kurs bei einem zugelassenen Träger besuchst. Seit dem 1. Januar 2025 ist für die Weiterbildungsförderung auch bei Grundsicherungsgeld die Agentur für Arbeit zuständig. Mehr dazu im Ratgeber zum Bildungsgutschein.

Wenn du schon arbeitest

Hast du die Stelle bereits angetreten und bekommst wegen des Lohns kein Grundsicherungsgeld mehr, sind Leistungen aus dem Vermittlungsbudget noch bis zu sechs Monate nach Arbeitsbeginn möglich, wenn sie zur Sicherung der Beschäftigung nötig sind (§ 16g Abs. 2 SGB II). Stockst du weiter auf, kann das Jobcenter über die freie Förderung (§ 16f SGB II) helfen, nach der Kölner Arbeitshilfe auch als Darlehen.

Führerschein für Menschen mit Behinderung

Bist du wegen einer Behinderung auf ein Auto angewiesen, um zur Arbeit zu kommen, zahlt der zuständige Rehabilitationsträger einen Zuschuss zum Führerschein (§ 8 KfzHV). Seine Höhe hängt vom Nettoeinkommen ab, gemessen an der Bezugsgröße (2026: 3.955 € im Monat):

Nettoeinkommen bisin Euro (2026)Zuschuss
40 % der Bezugsgröße1.582,00 €volle Kosten
55 % der Bezugsgröße2.175,25 €zwei Drittel
75 % der Bezugsgröße2.966,25 €ein Drittel

Für jeden unterhaltenen Familienangehörigen werden 474,60 € vom Einkommen abgezogen. Kosten für behinderungsbedingte Untersuchungen, Ergänzungsprüfungen und Eintragungen übernimmt der Träger in voller Höhe (§ 8 Abs. 2 KfzHV). Beantrage die Leistung vor Beginn der Fahrausbildung (§ 10 KfzHV).

Häufige Fragen

Zahlt das Arbeitsamt den Führerschein auch bei Arbeitslosengeld 1?

Ja, das ist möglich. Die Rechtsgrundlage ist dieselbe: das Vermittlungsbudget nach § 44 SGB III. Auch die Agentur für Arbeit entscheidet im Einzelfall, ob der Führerschein für deine Eingliederung notwendig ist.

Muss ich den Führerschein zurückzahlen, wenn ich durchfalle?

Die Förderung aus dem Vermittlungsbudget ist ein Zuschuss. Wiederholungsstunden oder eine erneute Prüfung musst du aber neu beantragen, und das Jobcenter entscheidet darüber gesondert.

Kann ich mich schon bei der Fahrschule anmelden?

Besser nicht. Schließt du den Vertrag vor dem Antrag, riskierst du, dass die Kosten nicht übernommen werden.

Wird ein Führerschein für einen Minijob bezahlt?

Das Vermittlungsbudget fördert grundsätzlich die Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung. Minijobs sind in der Regel nicht förderfähig.