Private Unfallversicherung: Für wen sie sinnvoll ist, was die Gliedertaxe bedeutet und welche Summe passt
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Eine private Unfallversicherung zahlt vor allem eine einmalige Invaliditätsleistung, wenn ein Unfall zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit führt – also voraussichtlich länger als drei Jahre ohne Aussicht auf Besserung. Die Höhe richtet sich nach dem Invaliditätsgrad und der vereinbarten Versicherungssumme. Der Schutz gilt in Freizeit und Beruf, weltweit. Die Verbraucherzentrale weist aber darauf hin, dass in mehr als 90 % der Fälle eine Krankheit und nicht ein Unfall zur Berufsunfähigkeit führt – und bei Krankheit hilft die Unfallversicherung nicht. Besonders wichtig ist sie laut Verbraucherzentrale für Selbstständige, Menschen ohne Beruf, Hausfrauen und Hausmänner, Personen mit sehr hohem Unfallrisiko und Erwerbstätige mit Vorerkrankungen, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen. Arbeitnehmer sind bei Arbeits- und Wegeunfällen, Kinder in Kita, Schule und Uni bereits gesetzlich unfallversichert – nicht aber in der Freizeit.
Das Wichtigste in Kürze
- Zahlt einen Einmalbetrag bei dauerhafter Invalidität nach einem Unfall, nicht bei Krankheit.
- Höhe nach Gliedertaxe: z. B. ein Auge 50 %, eine Hand 55 %, ein Arm 70 % der Summe.
- Faustformel der Verbraucherzentrale für die Grundsumme: mit 30 das 6-Fache, mit 40 das 5-Fache, mit 50 das 4-Fache des Bruttojahreseinkommens.
- Wichtiger für die meisten: Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherung.
Was als Unfall gilt
Ein Unfall liegt nach § 178 Abs. 2 VVG vor, wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet. Schäden durch Dauerbelastung, etwa im Sport, und krankhafte Störungen infolge psychischer Reaktionen wie Schock sind nicht versichert. Wer grob fahrlässig gehandelt hat, ist dagegen versichert. Einen erweiterten Unfallbegriff, der auch Verrenkungen und Zerrungen durch erhöhte Kraftanstrengung umfasst, kann man vereinbaren. Dass ein Unfall vorlag, musst du dem Versicherer beweisen; die Unfreiwilligkeit wird aber vermutet, bis der Versicherer das Gegenteil beweist.
Gliedertaxe und Invaliditätsleistung
| Verlust oder Funktionsunfähigkeit | Invaliditätsgrad |
|---|---|
| Arm im Schultergelenk | 70 % |
| Bein bis zur Mitte des Oberschenkels | 60 % |
| Hand im Handgelenk | 55 % |
| ein Auge | 50 % |
| Gehör auf einem Ohr | 30 % |
| Geruchssinn | 10 % |
Bei einer Versicherungssumme von 300.000 € und dem Verlust eines Auges zahlt der Versicherer 150.000 €; bei teilweiser Beeinträchtigung entsprechend weniger. Wirkt eine bestehende Krankheit an der Beeinträchtigung mit, kürzen viele Versicherer die Leistung, wenn der Mitwirkungsanteil über 25 % liegt. Für Berufe wie Musiker, Chirurgen oder Friseure gibt es Tarife mit eigenen Gliedertaxen, in denen einzelne Körperteile deutlich besser versichert sein können.
Beispiel mit Progression: Bei der Progression wird der Invaliditätsgrad mit einem vereinbarten Faktor multipliziert. Laut Verbraucherzentrale ergibt sich bei 50 % Invalidität, 100.000 € Versicherungssumme und 225 % Progression eine Leistung von 112.500 €. Der Nachteil: Bei den meisten Unfällen wird die Invalidität für höhere Zahlungen nicht erreicht – man zahlt höhere Beiträge für einen Fall, der selten eintritt.
Worauf du achten solltest
- Grundsumme: Die Verbraucherzentrale nennt als Faustformel für Berufstätige mit 30 das Sechsfache, mit 40 das Fünffache und mit 50 das Vierfache des Bruttojahreseinkommens.
- Zusatzleistungen: Such-, Rettungs- und Bergungskosten sowie kosmetische Operationen sollten mit mindestens 10.000 € mitversichert sein.
- Überflüssig: Unfalltod-Leistung (besser Risikolebensversicherung), Krankenhaustagegeld, Unfallrente und Beitragsrückgewähr. Einkommensausfälle sichern ein Krankentagegeld oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung besser ab, weil sie auch bei Krankheit zahlen.
- Gefahrengruppe: Wer körperlich arbeitet, landet meist in Gruppe B und zahlt mehr; Berufs- oder Hobbywechsel musst du melden.
- Fristen: Nach einem Unfall gelten Melde- und Nachweisfristen; die Bedingungen der Versicherer unterscheiden sich.
Häufige Fragen
Ist eine private Unfallversicherung sinnvoll?
Für Selbstständige, Nichterwerbstätige, Menschen mit hohem Unfallrisiko und Erwerbstätige mit Vorerkrankungen ohne Berufsunfähigkeitsschutz kann sie wichtig sein. Für die meisten Arbeitnehmer ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung wichtiger.
Was zahlt die Unfallversicherung?
Vor allem eine Einmalzahlung bei dauerhafter Invalidität, deren Höhe sich nach Gliedertaxe und Versicherungssumme richtet.
Bin ich als Arbeitnehmer nicht schon unfallversichert?
Ja, über die gesetzliche Unfallversicherung bei Arbeits- und Wegeunfällen und Berufskrankheiten – aber nicht in der Freizeit.
Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?
Als Faustformel nennt die Verbraucherzentrale je nach Alter das Vier- bis Sechsfache des Bruttojahreseinkommens.
