Berufsunfähigkeitsversicherung: Wann sie zahlt, wie hoch die Rente sein sollte und worauf es im Vertrag ankommt
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Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf wegen Krankheit, Unfall oder Kräfteverfall voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kannst (§ 172 VVG). In den meisten Verträgen gilt: Bist du voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mehr als 50 % berufsunfähig, wird die Rente gezahlt – laut Verbraucherzentrale ab dem ersten Tag dieses Sechs-Monats-Zeitraums. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine BU-Rente von etwa 80 % des aktuellen Nettoeinkommens und eine Laufzeit bis 67. Wichtig ist ein Verzicht auf die abstrakte Verweisung: Dann darf der Versicherer dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest. Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren ist, hat gesetzlich nur noch Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente, die nicht auf den Beruf abstellt.
Das Wichtigste in Kürze
- Leistung meist ab 50 % Berufsunfähigkeit für voraussichtlich mindestens sechs Monate.
- BU-Rente: Richtwert rund 80 % des Nettoeinkommens, Laufzeit bis 67.
- Wichtig: Verzicht auf abstrakte Verweisung, Nachversicherungsgarantie, Dynamik.
- Gesundheitsfragen vollständig und wahr beantworten – sonst droht der Rücktritt des Versicherers.
Warum die gesetzliche Absicherung nicht reicht
Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt eine Erwerbsminderungsrente nur, wenn du gar keine oder nur noch wenige Stunden am Tag irgendeiner Arbeit nachgehen kannst – egal, welchen Beruf du gelernt hast. Laut Verbraucherzentrale liegt sie im Schnitt unter dem Grundsicherungsniveau. Krankengeld der Krankenkasse gibt es nur für eine begrenzte Zeit (siehe Krankengeld). Eine BU-Versicherung schließt die Lücke dazwischen.
Worauf es im Vertrag ankommt
| Klausel | Was sie bedeutet |
|---|---|
| Verzicht auf abstrakte Verweisung | Der Versicherer prüft nicht, ob du einen anderen Beruf ausüben könntest. Ohne Verzicht darf er dich auf eine andere zumutbare Tätigkeit verweisen (§ 172 Abs. 3 VVG). |
| 50 % und sechs Monate | Leistung, wenn du voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mehr als 50 % berufsunfähig bist. |
| Rückwirkende Leistung | Bei verspäteter Meldung sollte die Leistung mindestens drei Jahre rückwirkend gezahlt werden. |
| Nachversicherungsgarantie | Rente lässt sich bei Ereignissen wie Heirat, Kind, Karrieresprung oder Hausbau ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen. |
| Dynamik | Beitrag und Rente steigen regelmäßig, damit die Absicherung mit Einkommen und Inflation mithält. |
| Laufzeit bis 67 | Vorsicht bei Verträgen, die deutlich früher enden. |
Wie wichtig die Dynamik ist, zeigt die Rechnung der Verbraucherzentrale: Bei 2 % Inflation sind 1.000 € nach 20 Jahren nur noch 672,97 € wert.
Gesundheitsfragen richtig beantworten
Vor Vertragsschluss musst du alle Gesundheitsfragen vollständig und wahrheitsgemäß beantworten (§ 19 VVG). Verschweigst du etwas, kann der Versicherer später vom Vertrag zurücktreten – genau dann, wenn du die Rente brauchst. Bist du unsicher, ob du angenommen wirst, hilft eine anonyme Risikovoranfrage über einen Vermittler oder Berater: Mehrere Versicherer prüfen deinen Fall, ohne Namen und Anschrift zu kennen.
Was eine BU kostet
Die Beiträge hängen vom Alter, Beruf, Gesundheitszustand und der Höhe der Rente ab. Laut Verbraucherzentrale kostet eine BU-Rente von 1.000 € einen 30-jährigen Angestellten bei einem günstigen Anbieter rund 50 € im Monat, bei einem teuren über 100 € – bei gleichen Leistungen. Ein früher Abschluss ist meist günstiger, und die Berufsgruppe bleibt bestehen, auch wenn du später einen riskanteren Beruf ergreifst.
Beispiel: Laura, 30, verdient 2.400 € netto. Nach dem Richtwert von 80 % sollte ihre BU-Rente etwa 1.900 € im Monat betragen. Die durchschnittliche BU-Rente liegt laut Verbraucherzentrale nur bei rund 400 € – viel zu wenig, um davon zu leben. Laura lässt sich mehrere Angebote mit Verweisungsverzicht und Laufzeit bis 67 machen und vergleicht Beitrag und Bedingungen.
Vorsicht bei Kombiprodukten: BU-Schutz gekoppelt an eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung ist laut Verbraucherzentrale meist zu teuer. Auch Online-Vergleichsportale arbeiten häufig auf Provisionsbasis. Unabhängige Vergleiche bieten Verbraucherzentralen gegen Honorar an.
Für Hinterbliebene sichert eine BU nichts ab – dafür gibt es die Risikolebensversicherung.
Häufige Fragen
Ab wann zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung?
In den meisten Verträgen, wenn du deinen Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate zu mehr als 50 % nicht mehr ausüben kannst.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Die Verbraucherzentrale nennt als Richtwert etwa 80 % des aktuellen Nettoeinkommens.
Was ist die abstrakte Verweisung?
Ohne Verzicht darauf kann der Versicherer die Leistung ablehnen, wenn du theoretisch einen anderen, deiner Lebensstellung entsprechenden Beruf ausüben könntest – auch wenn du ihn gar nicht ausübst.
Was passiert, wenn ich bei den Gesundheitsfragen etwas vergesse?
Der Versicherer kann wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht vom Vertrag zurücktreten oder ihn anpassen.
