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Dispokredit: Was er kostet, welche Regeln gelten und wie du aus dem Dispo herauskommst

Fakten und Zahlen geprüft am

Der Dispokredit (Dispositionskredit) ist ein Kreditrahmen auf dem Girokonto: Du darfst dein Konto bis zu einem vereinbarten Betrag überziehen und zahlst Zinsen nur für das tatsächliche Minus. Im Durchschnitt verlangten Banken in Deutschland laut Stiftung Warentest im Mai 2026 10,99 % Dispozins pro Jahr – deutlich mehr als für einen Ratenkredit. Für kurze Engpässe ist der Dispo praktisch, für dauerhafte Schulden ist er zu teuer. Ab dem 20. November 2026 bekommst du beim Dispo zusätzliche Rechte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Durchschnittlicher Dispozins laut Stiftung Warentest: 10,99 % (Stand 18. Mai 2026, über 1.000 Banken). Die Spanne reicht bis über 15 %.
  • Überziehst du ohne Dispo oder über den Rahmen hinaus, ist das eine geduldete Überziehung – oft noch teurer.
  • Nutzt du den Dispo sechs Monate lang zu durchschnittlich mehr als 75 %, muss die Bank dir eine Beratung anbieten (§ 504a BGB).
  • Ab 20. November 2026: Kündigt die Bank den Dispo, muss sie dir vor einer Zwangsvollstreckung anbieten, das Minus in zwölf gleichen Monatsraten zurückzuzahlen.

So funktioniert der Dispokredit

Rechtlich ist der Dispo eine „eingeräumte Überziehungsmöglichkeit“ (§ 504 BGB). Die Bank legt den Rahmen fest, vor allem anhand deines regelmäßigen Geldeingangs. Innerhalb des Rahmens kannst du jederzeit Geld abheben, überweisen oder mit Karte zahlen, auch wenn dein Guthaben aufgebraucht ist. Feste Raten gibt es nicht: Jeder Geldeingang auf dem Konto verringert automatisch das Minus.

Zinsen fallen nur für den Betrag und die Tage an, an denen du im Minus bist. Die Bank rechnet sie in der Regel vierteljährlich ab und belastet sie dem Konto. Eine Vorfälligkeitsentschädigung darf sie nicht verlangen, wenn du den Dispo zurückführst (§ 504 Abs. 1 BGB). Den Sollzins muss die Bank klar und auffällig angeben, auch auf ihrer Website (Art. 247a § 2 EGBGB).

Wie hoch sind die Dispozinsen 2026?

Die Stiftung Warentest hat die Dispozinsen von mehr als 1.000 Banken und Sparkassen erhoben. Ergebnis zum Stichtag 18. Mai 2026:

Dispozinsen in Deutschland laut Stiftung Warentest
StichtagDurchschnittlicher Dispozins
Juni 202511,22 %
18. Mai 202610,99 %

Die Unterschiede zwischen den Banken sind groß; der höchste Satz lag bei über 15 %. Zum Vergleich: Für neue Konsumentenkredite mit einer Zinsbindung von einem bis fünf Jahren lag der durchschnittliche effektive Jahreszins laut Deutscher Bundesbank im August 2026 bei 7,53 % (vorläufiger Wert). Den Dispozins deiner Bank findest du in ihrem Preis- und Leistungsverzeichnis und auf ihrer Website.

Was der Dispo in Euro kostet

Beispiel: Mia ist nach einer Autoreparatur mit 2.000 € im Minus, ihre Bank verlangt den Durchschnittszins von 10,99 %.

  • 30 Tage im Minus: 2.000 € × 10,99 % × 30 ÷ 365 = rund 18 € Zinsen.
  • Ein ganzes Jahr konstant im Minus: 219,80 € Zinsen.
  • Abbau in zwölf gleichen Monatsraten: rund 120 € Zinsen über das Jahr. Mit einem Ratenkredit zum Bundesbank-Durchschnitt von 7,53 % effektiv wären es bei gleicher Laufzeit rund 80 €.

Mit deinen eigenen Zahlen rechnest du im Dispozinsrechner.

Geduldete Überziehung: noch teurer

Hast du keinen Dispo oder überschreitest du den Rahmen, kann die Bank die Zahlung trotzdem ausführen. Das ist eine geduldete Überziehung (§ 505 BGB). Viele Banken verlangen dafür einen höheren Zinssatz als für den Dispo; welcher gilt, steht in deinem Vertrag und im Preis- und Leistungsverzeichnis. Dauert eine erhebliche Überziehung länger als einen Monat, muss die Bank dich unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger über die Überziehung, ihren Betrag und den Sollzins informieren (§ 505 Abs. 2 BGB). Ein Recht auf eine geduldete Überziehung hast du nicht – die Bank kann Lastschriften oder Überweisungen auch ablehnen.

Deine Rechte bei dauerhafter Nutzung

Nutzt du deinen Dispo ununterbrochen sechs Monate lang und im Durchschnitt mit mehr als 75 % des Rahmens, muss die Bank dir eine Beratung anbieten (§ 504a BGB). Nimmst du an, berät sie dich über günstigere Alternativen, über die Folgen weiterer Überziehung und weist gegebenenfalls auf Beratungsstellen hin. Dasselbe gilt bei einer geduldeten Überziehung, die ununterbrochen länger als drei Monate dauert und im Schnitt mehr als die Hälfte deiner monatlichen Geldeingänge der letzten drei Monate ausmacht (§ 505 Abs. 2 BGB). Das Beratungsangebot ist für dich freiwillig.

Neu ab 20. November 2026: mehr Schutz beim Dispo

Mit dem Gesetz zur Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie (BGBl. 2026 I Nr. 139) ändern sich die Regeln für Überziehungsmöglichkeiten. Ab dem 20. November 2026 gilt:

  • Regelmäßige Information: Die Bank muss dich mindestens einmal im Monat über die Inanspruchnahme deines Dispos unterrichten (§ 504 Abs. 1 BGB neue Fassung).
  • Vorwarnung bei Kündigung oder Kürzung: Kündigt oder kürzt die Bank den Dispo, muss sie dich mindestens 30 Tage, bevor das wirksam wird, informieren (§ 504 Abs. 2 BGB n. F.).
  • Rückzahlung in Raten: Hast du den gekündigten Dispo genutzt, muss die Bank dir vor einer Zwangsvollstreckung anbieten, den Betrag ohne zusätzliche Kosten zum Dispozins in zwölf gleichen Monatsraten zurückzuzahlen (§ 504 Abs. 2 BGB n. F.). Das gilt entsprechend für die geduldete Überziehung (§ 505 Abs. 5 BGB n. F.).
  • Auch für bestehende Dispos: Die neuen Regeln des § 504 gelten nach der Übergangsvorschrift auch für unbefristete Verträge, die schon vor dem 20. November 2026 bestanden (Art. 229 § 71 Abs. 2 EGBGB).

Nach den Erläuterungen des Bundesjustizministeriums bekommst du außerdem beim Abschluss eines Dispos ein Widerrufsrecht, und die Bank kann den Dispo nicht mehr mit sofortiger Wirkung kündigen; vorgesehen ist eine Kündigungsfrist von mindestens zwei Monaten.

So kommst du aus dem Dispo heraus

  1. Überblick verschaffen: Wie hoch ist das Minus im Schnitt, und warum entsteht es? Ein Haushaltsbudget zeigt, wo jeden Monat Geld fehlt.
  2. Festen Betrag zum Abbau einplanen: Lege fest, um wie viel das Minus jeden Monat sinken soll, und richte zum Beispiel einen Dauerauftrag auf ein Unterkonto oder Tagesgeld ein, damit das Geld nicht wieder ausgegeben wird.
  3. Mit einem günstigeren Kredit ablösen: Ein Ratenkredit hat feste Raten und ein festes Ende und ist im Durchschnitt günstiger. Wann sich das rechnet, erklärt unser Ratgeber zur Umschuldung. Wichtig: Den Dispo danach nicht erneut ausschöpfen, zum Beispiel indem du den Rahmen senken lässt.
  4. Bank wechseln oder nachverhandeln: Die Dispozinsen unterscheiden sich um mehrere Prozentpunkte. Frage deine Bank nach günstigeren Konditionen oder vergleiche Kontomodelle.
  5. Rücklage aufbauen: Ein Notgroschen fängt unerwartete Ausgaben ab, bevor sie im Dispo landen. Wie hoch er sein sollte, berechnest du mit dem Notgroschen-Rechner.
  6. Hilfe holen: Kommst du aus eigener Kraft nicht mehr heraus, helfen anerkannte Schuldnerberatungen, etwa bei Verbraucherzentralen, Wohlfahrtsverbänden oder Kommunen, in der Regel kostenlos.

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Dispozinsen aktuell?

Im Durchschnitt 10,99 % pro Jahr, so die Erhebung der Stiftung Warentest zum 18. Mai 2026. Je nach Bank und Kontomodell können es deutlich weniger oder über 15 % sein.

Wirkt sich der Dispo auf die SCHUFA aus?

Den Dispo im vereinbarten Rahmen zu nutzen, ist kein Negativmerkmal. Im neuen SCHUFA-Score zählt aber das Alter deines jüngsten Rahmenkredits: Ein Dispo, der weniger als ein Jahr besteht, bringt in diesem Kriterium 0 Punkte. Problematisch wird es, wenn fällige Forderungen nach Mahnungen offen bleiben.

Kann die Bank meinen Dispo kündigen?

Ja. Bisher war das je nach Vertrag sogar fristlos möglich. Ab dem 20. November 2026 muss die Bank dich mindestens 30 Tage vor Wirksamwerden informieren und dir vor einer Zwangsvollstreckung eine Rückzahlung in zwölf gleichen Monatsraten anbieten.

Ist ein Ratenkredit immer günstiger als der Dispo?

Im Durchschnitt ja, aber nicht in jedem Fall: Laut Bundesbank lag der effektive Jahreszins für Konsumentenkredite mit mehr als fünf Jahren Zinsbindung im August 2026 bei 9,37 % (vorläufig). Vergleiche deshalb immer den effektiven Jahreszins deines konkreten Angebots mit deinem Dispozins.