Rentenlücke berechnen: In 5 Schritten zur eigenen Versorgungslücke – mit Renteninformation, Abzügen und Beispiel
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Hinweis zu Steuerthemen: Wir sind keine Steuerberater und leisten keine Steuerberatung. Dieser Artikel beruht auf unserer sorgfältigen Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen wie Gesetzestexten und Veröffentlichungen der Finanzverwaltung und gibt unsere Einschätzung wieder. Er ersetzt keine Beratung im Einzelfall: Lass deine persönliche Steuersituation bitte von einer Steuerberaterin, einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein prüfen, bevor du handelst. Mehr dazu.
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen deinem monatlichen Geldbedarf im Ruhestand und deinem Nettoeinkommen im Alter. Ausgangspunkt ist die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung, die du ab 27 jährlich bekommst: Sie enthält eine Prognose der Regelaltersrente – brutto und in heutigen Werten (§ 109 SGB VI). Davon gehen als gesetzlich krankenversicherter Rentner die Hälfte des Krankenversicherungsbeitrags und der volle Pflegeversicherungsbeitrag ab – bei einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 % sind das 2026 zusammen 12,35 % (mit Kindern) – und je nach Höhe Einkommensteuer. Ziehst du dieses Netto von deinem geschätzten Bedarf ab, kennst du deine Lücke. Multipliziert mit der erwarteten Rentendauer zeigt sie, wie viel Kapital du zusätzlich brauchst.
Das Wichtigste in Kürze
- Bedarf im Alter: Ausgaben in heutigen Preisen ehrlich aufschreiben.
- Rente laut Renteninformation ist brutto: Kranken- und Pflegeversicherung und Steuern gehen ab.
- Weitere Einkünfte wie Betriebsrente, Riester oder Mieteinnahmen mitrechnen – ebenfalls netto.
- Lücke × 12 × Jahre im Ruhestand = Kapitalbedarf ohne Zinsen.
In 5 Schritten zur Rentenlücke
- Bedarf festlegen: Was brauchst du im Monat zum Leben, in heutigen Preisen? Ausgaben, die wegfallen (Kreditraten, Kinder, Fahrten zur Arbeit), streichen; Ausgaben, die dazukommen (Gesundheit, Reisen, Pflege), ergänzen. Ein Haushaltsbuch über einige Monate hilft beim Überblick.
- Gesetzliche Rente ablesen: In der Renteninformation steht die Prognose der Regelaltersrente, wenn du bis zur Regelaltersgrenze weiter so einzahlst wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Die Werte sind in heutigem Geld ohne künftige Rentenanpassungen.
- Abzüge berechnen: Gesetzlich versicherte Rentner tragen den halben Krankenversicherungsbeitrag einschließlich des halben Zusatzbeitrags, die Rentenversicherung die andere Hälfte (§ 249a SGB V). Die Pflegeversicherung zahlen Rentner allein (§ 59 SGB XI): 3,6 %, kinderlos 4,2 %. Dazu kommt gegebenenfalls Einkommensteuer – siehe Rente versteuern.
- Weitere Einkünfte addieren: Betriebsrente, Riester- oder Rürup-Rente, private Renten, Mieteinnahmen, Entnahmen aus einem Depot – jeweils nach Abzügen.
- Lücke und Kapitalbedarf: Bedarf minus Nettoeinkommen ergibt die monatliche Lücke. Mal 12 und mal die Jahre im Ruhestand ergibt den Kapitalbedarf ohne Verzinsung.
Rechenbeispiel
Nadine ist 37 und gesetzlich krankenversichert, sie hat ein Kind. Laut Renteninformation bekäme sie eine Regelaltersrente von 1.650 € brutto. Abzüglich 8,75 % Krankenversicherung (7,3 % plus halber durchschnittlicher Zusatzbeitrag von 1,45 %) = 144,38 € und 3,6 % Pflegeversicherung = 59,40 € bleiben 1.446,22 €. Nadine schätzt ihren Bedarf auf 2.200 € im Monat in heutigen Preisen. Ihre Lücke beträgt damit 753,78 € im Monat – vor möglicher Einkommensteuer. Rechnet sie mit 20 Jahren Ruhestand, braucht sie ohne Verzinsung rund 180.900 € zusätzliches Kapital.
Die Prognose der Renteninformation ist kein fester Betrag: Sie geht davon aus, dass du bis zur Regelaltersgrenze weiter ähnlich verdienst und Beiträge zahlst, und steht unter dem Vorbehalt künftiger Rechtsänderungen. Längere Teilzeit, Arbeitslosigkeit oder ein früherer Rentenbeginn mit Abschlägen vergrößern die Lücke.
Was die Rechnung verändert
| Faktor | Wirkung |
|---|---|
| Früherer Rentenbeginn | 0,3 % Abschlag pro Monat vor der Altersgrenze, dauerhaft |
| Kinderlosigkeit | Pflegeversicherung 4,2 % statt 3,6 % |
| Private Krankenversicherung | Beitrag hängt nicht von der Rente ab; Zuschuss der Rentenversicherung auf Antrag |
| Wohneigentum | Keine Miete im Alter senkt den Bedarf – Instandhaltung einplanen |
| Längere Lebenserwartung | Mehr Jahre im Ruhestand erhöhen den Kapitalbedarf |
Wie du die Lücke schließt
- Früh und regelmäßig sparen: Ein breit gestreuter ETF-Sparplan ist für viele die Basis – siehe ETF-Rente.
- Betriebliche Altersvorsorge prüfen: Viele Arbeitgeber zahlen Zuschüsse zur Entgeltumwandlung.
- Gesetzliche Rente stärken: etwa mit freiwilligen Beiträgen oder dem Ausgleich von Abschlägen.
- Entnahme planen: Wie lange ein Vermögen bei monatlichen Entnahmen reicht, zeigt der Entnahmeplan-Rechner.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meine Rentenlücke?
Bedarf im Alter minus Nettoeinkommen aus Rente und Vorsorge. Die Rente aus der Renteninformation ist brutto; Kranken-, Pflegeversicherung und gegebenenfalls Steuern musst du abziehen.
Sind die Werte der Renteninformation netto?
Nein, es sind Bruttowerte in heutigem Geld ohne künftige Rentenanpassungen.
Wie viel zahlen Rentner für die Krankenversicherung?
Gesetzlich Versicherte die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes und des Zusatzbeitrags, also 2026 im Durchschnitt 8,75 %, dazu die volle Pflegeversicherung von 3,6 % (kinderlos 4,2 %).
Wie viel Kapital brauche ich, um die Lücke zu schließen?
Ohne Verzinsung die monatliche Lücke × 12 × Jahre im Ruhestand. Legst du das Kapital im Ruhestand weiter an, reicht weniger.
