Altersvorsorge mit ETF: So baust du dir eine ETF-Rente auf (inklusive Altersvorsorgedepot ab 2027)
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Hinweis zu Steuerthemen: Wir sind keine Steuerberater und leisten keine Steuerberatung. Dieser Artikel beruht auf unserer sorgfältigen Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen wie Gesetzestexten und Veröffentlichungen der Finanzverwaltung und gibt unsere Einschätzung wieder. Er ersetzt keine Beratung im Einzelfall: Lass deine persönliche Steuersituation bitte von einer Steuerberaterin, einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein prüfen, bevor du handelst. Mehr dazu.
Eine „ETF-Rente“ ist kein Produkt, sondern eine Strategie: Du sparst über viele Jahre regelmäßig in breit gestreute Aktien-ETFs und entnimmst das angesparte Vermögen im Ruhestand nach und nach mit einem Entnahmeplan. Wer mit 32 Jahren beginnt und bis 67 monatlich 200 € spart, zahlt 84.000 € ein; bei einer angenommenen Rendite von 5 % pro Jahr nach Kosten wären es am Ende rund 222.000 € vor Steuern. Ab 2027 kommt eine staatlich geförderte Variante hinzu: das Altersvorsorgedepot, das die Riester-Rente ersetzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Je früher du anfängst, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt – und desto länger kannst du Kursschwankungen aussitzen.
- Im Ruhestand entnimmst du das Vermögen mit einem Entnahmeplan; wie lange es reicht, hängt von Entnahme und Rendite ab.
- Neu ab 1. Januar 2027: Altersvorsorgedepot mit bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr und 100 % Zulage auf bis zu 300 € je Kind.
- Aktien-ETFs schwanken stark. Vor dem Ruhestand solltest du schrittweise mehr Sicherheit einbauen.
Warum eine private Vorsorge nötig ist
Die gesetzliche Rente ersetzt für die meisten Menschen nur einen Teil ihres letzten Einkommens. Wie hoch deine Rente voraussichtlich sein wird, steht in der Renteninformation, die Versicherte ab dem 27. Lebensjahr jährlich von der Deutschen Rentenversicherung erhalten (§ 109 SGB VI); ab 55 Jahren gibt es alle drei Jahre eine ausführlichere Rentenauskunft. Die Differenz zwischen erwarteter Rente und dem, was du im Alter brauchst, ist deine Rentenlücke. Eine ETF-Rente ist eine Möglichkeit, sie zu schließen – neben betrieblicher Altersvorsorge, staatlich geförderten Verträgen und Wohneigentum.
Die Ansparphase: Was aus regelmäßigem Sparen werden kann
| Angenommene Rendite pro Jahr | Eingezahlt | Vermögen nach 35 Jahren |
|---|---|---|
| 3 % | 84.000 € | rund 147.000 € |
| 5 % | 84.000 € | rund 222.000 € |
Die tatsächliche Rendite von Aktien-ETFs schwankt von Jahr zu Jahr erheblich und kann über längere Zeiträume deutlich darunter liegen; Gewinne sind nicht garantiert. Wichtig ist, in schwachen Börsenphasen weiterzusparen und nicht zu verkaufen. Welcher ETF sich für die Vorsorge eignet, erklärt unser Ratgeber ETF auswählen.
Vor dem Ruhestand: Risiko schrittweise senken
Ein starker Kurseinbruch kurz vor oder zu Beginn des Ruhestands trifft dich besonders hart, weil dir keine Zeit bleibt, Verluste aufzuholen, und du gleichzeitig Geld entnimmst. Viele Anleger schichten deshalb in den Jahren vor dem Ruhestand nach und nach einen Teil in sichere Anlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder kurz laufende Anleihen um. So kannst du die ersten Jahre der Entnahme aus dem sicheren Teil bestreiten, ohne in einem Börsentief verkaufen zu müssen.
Die Auszahlphase: Entnahmeplan
Im Ruhestand entnimmst du jeden Monat einen festen Betrag. Ein Beispiel mit 200.000 € Vermögen und einer angenommenen Rendite von 3 % pro Jahr auf den verbleibenden Betrag:
| Monatliche Entnahme | Das Vermögen reicht für |
|---|---|
| 1.000 € | 22 Jahre und 11 Monate |
| 1.102,43 € | 20 Jahre |
| 1.200 € | 17 Jahre und 11 Monate |
Anders als eine Rente aus einer Versicherung endet ein Entnahmeplan, wenn das Geld aufgebraucht ist. Plane deshalb mit einer realistischen Lebenserwartung und einem Puffer. Deine eigenen Werte rechnest du mit dem Entnahmeplan-Rechner.
Neu ab 2027: das Altersvorsorgedepot
Der Bundestag hat am 27. März 2026 die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Ab dem 1. Januar 2027 gibt es mit dem Altersvorsorgedepot ein neues staatlich gefördertes Standardprodukt, das das Riester-System ersetzt. Die wichtigsten Eckpunkte laut Bundestag:
- Grundzulage: 50 % auf Eigenbeiträge bis 360 € im Jahr und 25 % auf Beiträge von 360,01 bis 1.800 € – zusammen höchstens 540 € im Jahr.
- Kinderzulage: 100 % auf Beiträge bis 300 € pro Kind und Jahr.
- Förderhöchstbetrag: 1.800 € Eigenbeitrag pro Jahr.
- Anlage: in Fonds einschließlich ETFs und andere für Kleinanleger geeignete Anlageklassen; daneben sind Produkte mit Kapitalgarantie möglich.
- Kostendeckel: beim Standarddepot höchstens 1 % Effektivkosten.
- Steuern: Beiträge in der Ansparphase als Sonderausgaben absetzbar, Auszahlungen im Alter werden versteuert (nachgelagerte Besteuerung).
Für wen sich das Altersvorsorgedepot lohnt, hängt von Einkommen, Kinderzahl und den konkreten Angeboten ab, die ab 2027 auf den Markt kommen. Wer nur 360 € im Jahr einzahlt, bekommt dafür 180 € Zulage – eine Förderung von 50 %. Bestehende Riester-Verträge und Übergangsregeln solltest du dir von deinem Anbieter erklären lassen, bevor du etwas kündigst.
ETF-Sparplan, Altersvorsorgedepot oder Betriebsrente?
| Freier ETF-Sparplan | Altersvorsorgedepot (ab 2027) | Betriebliche Altersvorsorge | |
|---|---|---|---|
| Staatliche Förderung | keine | Zulagen und Sonderausgabenabzug | Steuer- und Sozialabgabenvorteile, oft Arbeitgeberzuschuss |
| Verfügbarkeit | jederzeit | gebunden bis zum Ruhestand | gebunden bis zum Ruhestand |
| Besteuerung | Abgeltungsteuer auf Erträge | nachgelagert im Alter | nachgelagert im Alter |
| Kosten | selbst gestaltbar | gedeckelt | je nach Vertrag |
Viele kombinieren mehrere Wege: einen Arbeitgeberzuschuss zur Betriebsrente mitnehmen, die Förderung nutzen, wo sie sich lohnt, und daneben flexibel in einen ETF-Sparplan sparen.
Häufige Fragen
Wie viel sollte ich für die ETF-Rente sparen?
Das hängt von deiner Rentenlücke ab. Schätze, wie viel Geld du im Alter monatlich brauchst, vergleiche es mit deiner Renteninformation und rechne mit dem Entnahmeplan-Rechner zurück, welches Vermögen dafür nötig ist.
Ist eine ETF-Rente sicher?
Nein, nicht im Sinne einer Garantie. Aktien-ETFs schwanken und können über Jahre an Wert verlieren. Ein langer Anlagezeitraum, breite Streuung und eine schrittweise Umschichtung vor dem Ruhestand senken das Risiko.
Wie werden Entnahmen aus einem ETF-Depot besteuert?
Beim Verkauf von Anteilen ist nur der Gewinnanteil steuerpflichtig, mit Abgeltungsteuer nach Abzug des Sparerpauschbetrags; bei Aktien-ETFs sind 30 % der Erträge steuerfrei. Im Altersvorsorgedepot gilt dagegen die nachgelagerte Besteuerung.
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Das Altersvorsorgedepot ersetzt ab 2027 das Riester-System für neue Verträge. Wie es mit bestehenden Verträgen weitergeht, regeln Übergangsvorschriften. Lass dir von deinem Anbieter schriftlich erklären, welche Möglichkeiten du hast, bevor du kündigst – eine Kündigung kann zur Rückzahlung von Zulagen führen.
