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Altersvorsorge

Grundfähigkeitsversicherung: Wann sie zahlt, wo die Lücken sind und für wen sie eine Alternative zur BU ist

Fakten und Zahlen geprüft am

Eine Grundfähigkeitsversicherung (GF-Versicherung) zahlt eine vereinbarte Rente, wenn du eine der im Vertrag genannten Grundfähigkeiten dauerhaft und in erheblichem Maß verlierst – etwa Sehen, Hören, Sprechen, Gehen, Heben und Bücken, Autofahren oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder das Bedienen eines Smartphones. Anders als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung kommt es nicht darauf an, ob du deinen Beruf noch ausüben kannst. Laut Verbraucherzentrale kostet sie häufig weniger als eine BU, bietet aber nur eingeschränkte Sicherheit: Kleine Einschränkungen reichen nicht, Hilfsmittel wie eine Brille werden berücksichtigt, und psychische Erkrankungen – eine der Hauptursachen für Berufsunfähigkeit – sind in vielen Tarifen nicht oder nur unzureichend abgesichert. Einheitliche Standards gibt es nicht; jeder Versicherer legt selbst fest, welche Fähigkeiten versichert sind und ab welchem Grad er zahlt. Die Verbraucherzentralen raten deshalb, zuerst eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu prüfen und die GF-Versicherung nur als Notlösung zu sehen – etwa bei Vorerkrankungen, wenn eine BU nicht zu bekommen ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zahlt beim dauerhaften, erheblichen Verlust vertraglich festgelegter Fähigkeiten.
  • Oft günstiger als eine BU, aber psychische Erkrankungen meist nicht oder kaum versichert.
  • Keine einheitlichen Standards – Tarife unterscheiden sich stark.
  • Verbraucherzentrale: erst BU prüfen, GF eher als Notlösung, etwa bei Vorerkrankungen.

Grundfähigkeits- oder Berufsunfähigkeitsversicherung?

Unterschiede im Überblick (Verbraucherzentrale)
BerufsunfähigkeitsversicherungGrundfähigkeitsversicherung
Leistungsauslöserdu kannst deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausübendu verlierst eine im Vertrag genannte Fähigkeit dauerhaft und erheblich
Psychische Erkrankungengrundsätzlich mitversichertin vielen Tarifen nicht oder unzureichend
Beitragmeist höherhäufig niedriger
Gesundheitsprüfungstrengteilweise weniger streng
Vergleichbarkeitbesserschwierig, keine Standards

Wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung funktioniert und worauf es bei den Bedingungen ankommt, erklärt der Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung. Die gesetzliche Absicherung über die Erwerbsminderungsrente greift nur, wenn du auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt weniger als sechs Stunden täglich arbeiten kannst – egal, welchen Beruf du gelernt hast (§ 43 SGB VI).

Beispiel: Tobias ist 34, Bürokaufmann und hatte vor zwei Jahren eine längere Behandlung wegen einer depressiven Episode. Zwei Versicherer lehnen seinen BU-Antrag ab. Statt sofort eine Grundfähigkeitsversicherung zu nehmen, lässt er über einen unabhängigen Versicherungsberater eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern stellen. Erst als auch das ohne Erfolg bleibt, schließt er eine GF-Versicherung ab – im Wissen, dass sie bei einer erneuten psychischen Erkrankung wahrscheinlich nicht zahlt.

Tipps der Verbraucherzentralen

  1. Zuerst die BU prüfen: Sie bietet meist den besten Schutz für deine Arbeitskraft, auch wenn sie mehr kostet.
  2. Bei Ablehnung nicht aufgeben: Unabhängige Versicherungsberater oder spezialisierte Makler können mit einer anonymen Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern klären, ob Schutz möglich ist. Versicherungsberater vermitteln Nettotarife ohne Provision und bekommen dafür ein Honorar von dir.
  3. Genau vergleichen: Welche Fähigkeiten sind versichert, und ab wann gilt eine Fähigkeit als verloren?
  4. Wechseloptionen nutzen: Einige Tarife erlauben später den Wechsel in eine BU ohne neue Gesundheitsprüfung – interessant für junge Menschen und sogar Kinder. Für Kinder gibt es außerdem die Kinderinvaliditätsversicherung.

Häufige Fragen

Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?

Eine Versicherung, die eine Rente zahlt, wenn du eine vertraglich festgelegte Fähigkeit wie Sehen, Hören oder Gehen dauerhaft und erheblich verlierst – unabhängig von deinem Beruf.

Ist die Grundfähigkeitsversicherung eine gute Alternative zur BU?

Laut Verbraucherzentrale ersetzt sie die BU in der Regel nicht, kann aber eine Notlösung sein, wenn du keine BU bekommst.

Zahlt die Grundfähigkeitsversicherung bei psychischen Erkrankungen?

In vielen Tarifen nicht oder nur unzureichend. Prüfe die Bedingungen genau, wenn dir dieser Schutz wichtig ist.

Für wen eignet sich eine Grundfähigkeitsversicherung?

Vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen, die keine BU bekommen, weil die Gesundheitsprüfung teils weniger streng ist.