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Geldanlage

ETF auswählen: Die 8 wichtigsten Kriterien für den richtigen ETF

Fakten und Zahlen geprüft am

Hinweis zu Steuerthemen: Wir sind keine Steuerberater und leisten keine Steuerberatung. Dieser Artikel beruht auf unserer sorgfältigen Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen wie Gesetzestexten und Veröffentlichungen der Finanzverwaltung und gibt unsere Einschätzung wieder. Er ersetzt keine Beratung im Einzelfall: Lass deine persönliche Steuersituation bitte von einer Steuerberaterin, einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein prüfen, bevor du handelst. Mehr dazu.

Den passenden ETF findest du in zwei Schritten: Zuerst wählst du den Index, der zu deiner Strategie passt – für den langfristigen Vermögensaufbau meist ein breiter Welt-Index. Erst danach vergleichst du die ETFs auf diesen Index nach Kosten, Größe, Nachbildungsmethode und Ertragsverwendung. Wir nennen bewusst keine einzelnen Produkte als „beste ETFs“: Welche ETF-Kombination passt, hängt von deinen Zielen ab, und Kaufempfehlungen veralten schnell. Die Kriterien bleiben dagegen gleich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die wichtigste Entscheidung ist der Index, nicht der Anbieter.
  • Vergleiche die laufenden Kosten (TER) und, wo verfügbar, die Tracking-Differenz.
  • Ausschüttend oder thesaurierend, physisch oder synthetisch: beides ist legitim – entscheidend ist, dass es zu dir passt.
  • Alle Eckdaten stehen im Basisinformationsblatt, das der Anbieter vor dem Kauf bereitstellen muss.

1. Der Index: Welche Märkte willst du abdecken?

Der Index bestimmt, in welche Unternehmen dein Geld fließt – und damit Chancen und Risiken weit stärker als jedes andere Kriterium. Für den langfristigen Vermögensaufbau nutzen viele Anleger breit gestreute Welt-Indizes:

Häufig genutzte Welt-Indizes (Grundprinzip; Details in den Indexbeschreibungen der Anbieter)
IndexEnthältHinweis
MSCI Worldgroße und mittelgroße Unternehmen aus Industrieländernkeine Schwellenländer
MSCI ACWIIndustrie- und Schwellenländerbreiter als der MSCI World
FTSE All-WorldIndustrie- und Schwellenländerähnlich breit wie der MSCI ACWI
MSCI Emerging Marketsnur Schwellenländermeist als Ergänzung zum MSCI World genutzt

Wichtig: Auch Welt-Indizes sind nach Börsenwert gewichtet. Große Unternehmen und große Märkte – derzeit vor allem die USA – haben deshalb ein hohes Gewicht. Schau dir im Factsheet die Länder- und Branchenaufteilung an, bevor du entscheidest. Themen- und Branchen-ETFs sind deutlich weniger gestreut und eignen sich höchstens als kleine Beimischung.

2. Die Kosten: TER und Tracking-Differenz

Die Gesamtkostenquote (TER) gibt die laufenden Kosten pro Jahr an, die direkt aus dem Fondsvermögen entnommen werden. Bei ETFs auf denselben Index ist sie ein einfacher erster Vergleich. Aussagekräftiger ist die Tracking-Differenz: der Unterschied zwischen der Rendite des ETFs und der seines Index über ein Jahr. Sie zeigt, was dich der ETF unterm Strich wirklich gekostet hat – inklusive Einnahmen aus Wertpapierleihe und steuerlicher Effekte im Fonds. Eine dauerhaft kleine Tracking-Differenz ist ein Qualitätsmerkmal.

Wie stark Kosten über Jahrzehnte wirken, zeigt das Rechenbeispiel im Ratgeber Was ist ein ETF?.

3. Fondsgröße und Alter

Ein ETF mit großem Fondsvolumen und mehrjähriger Historie ist für den Anbieter wirtschaftlich und wird seltener geschlossen. Wird ein ETF aufgelöst, erhältst du den Gegenwert ausgezahlt; ein Gewinn wird dann versteuert, und du musst neu anlegen. Bei sehr kleinen oder neuen Fonds ist dieses Risiko höher.

4. Physisch oder synthetisch?

  • Physisch replizierend: Der ETF kauft die Wertpapiere des Index – vollständig oder als repräsentative Auswahl (optimiert). Das ist leicht nachvollziehbar.
  • Synthetisch replizierend: Der ETF hält einen anderen Wertpapierkorb und tauscht dessen Rendite über einen Swap mit einer Bank gegen die Indexrendite. Das Ausfallrisiko gegenüber der Bank ist nach den europäischen OGAW-Regeln begrenzt und meist besichert.

Beide Methoden sind zulässig. Für breite Aktienindizes wählen viele Anleger physisch replizierende ETFs, weil sie einfacher zu verstehen sind; bei manchen Märkten kann ein synthetischer ETF die Indexrendite genauer abbilden.

5. Ausschüttend oder thesaurierend?

Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden regelmäßig auf dein Konto. Thesaurierende ETFs legen sie automatisch wieder an, was den Zinseszinseffekt ohne eigenes Zutun nutzt. Steuerlich wird bei thesaurierenden ETFs jedes Jahr eine Vorabpauschale berücksichtigt, die mit dem späteren Verkaufsgewinn verrechnet wird. Für den langfristigen Aufbau sind thesaurierende ETFs bequem; wer Erträge regelmäßig ausgezahlt haben möchte, etwa im Ruhestand, greift eher zu ausschüttenden.

6. Währung: Was wirklich zählt

Ein häufiger Irrtum: Entscheidend für das Währungsrisiko ist nicht die Fondswährung, in der ein ETF geführt wird, sondern die Währung der Aktien im Fonds. Ein MSCI-World-ETF in Euro enthält genauso viele US-Aktien wie einer in US-Dollar. Willst du Währungsschwankungen ausschalten, brauchst du einen ausdrücklich währungsgesicherten ETF – das kostet allerdings meist zusätzlich.

7. Sparplanfähigkeit und Handelbarkeit

Prüfe, ob deine Bank oder dein Broker den ETF als Sparplan anbietet und was Ausführungen kosten. Für Einmalkäufe sind ein ausreichendes Handelsvolumen und eine geringe Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs (Spread) wichtig. Kaufe zu Zeiten, in denen die wichtigsten Börsen des Index geöffnet sind.

8. Basisinformationsblatt und Factsheet lesen

Für ETFs muss der Anbieter vor dem Kauf ein Basisinformationsblatt bereitstellen. Darin stehen Ziele, Risiken und Kosten in standardisierter Form. Das Factsheet zeigt zusätzlich Index, TER, Fondsvolumen, Replikationsmethode, Ertragsverwendung, Fondsdomizil und die größten Positionen. Notiere dir die ISIN oder WKN, damit du beim Kauf den richtigen ETF erwischst.

Checkliste

  1. Passt der Index zu meinem Ziel und ist er breit genug gestreut?
  2. Wie hoch sind TER und Tracking-Differenz im Vergleich zu anderen ETFs auf denselben Index?
  3. Ist der Fonds groß und schon einige Jahre am Markt?
  4. Physisch oder synthetisch – verstehe ich, wie der ETF den Index nachbildet?
  5. Ausschüttend oder thesaurierend – was passt zu meiner Lebensphase?
  6. Kann ich ihn bei meinem Broker günstig als Sparplan kaufen?

Wie du ETFs langfristig für die Rente einsetzt, erklärt unser Ratgeber zur ETF-Rente.

Häufige Fragen

Welcher ETF ist der beste?

Einen besten ETF für alle gibt es nicht. Für den langfristigen Vermögensaufbau wählen viele Anleger einen breiten Welt-Index und dann einen kostengünstigen, großen ETF darauf. Wir geben keine Kaufempfehlungen für einzelne Produkte.

Wie viele ETFs brauche ich?

Für eine breite Streuung kann schon ein einziger Welt-ETF genügen. Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch mehr Streuung, wenn sie sich stark überschneiden.

Ist der MSCI World weltweit gestreut?

Er enthält nur Industrieländer und ist stark nach Börsenwert gewichtet. Wer auch Schwellenländer abdecken will, nutzt einen Index wie den MSCI ACWI oder FTSE All-World oder kombiniert den MSCI World mit einem Schwellenländer-ETF.

Spielt der Anbieter eine Rolle?

Weniger als der Index und die Kosten. Wichtig ist, dass der ETF als Sondervermögen nach europäischen Regeln aufgelegt ist; dann ist das Fondsvermögen bei einer Pleite des Anbieters geschützt.