Kryptokurse werden geladen …
Geldanlage

Was ist ein ETF? Börsengehandelte Indexfonds einfach erklärt

Fakten und Zahlen geprüft am

Hinweis zu Steuerthemen: Wir sind keine Steuerberater und leisten keine Steuerberatung. Dieser Artikel beruht auf unserer sorgfältigen Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen wie Gesetzestexten und Veröffentlichungen der Finanzverwaltung und gibt unsere Einschätzung wieder. Er ersetzt keine Beratung im Einzelfall: Lass deine persönliche Steuersituation bitte von einer Steuerberaterin, einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein prüfen, bevor du handelst. Mehr dazu.

Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Investmentfonds, der an der Börse gehandelt wird und meist einen Index wie den MSCI World oder den DAX nachbildet. Mit einem einzigen Anteil kaufst du einen kleinen Teil an Hunderten oder Tausenden Unternehmen. Weil kein Fondsmanager Aktien auswählt, sind die laufenden Kosten niedrig. Rechtlich ist ein ETF in Deutschland ein Sondervermögen: Das Geld der Anleger ist vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt und bei deren Pleite geschützt – vor Kursverlusten am Aktienmarkt schützt das aber nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein ETF bildet einen Index nach, statt einzelne Aktien auszuwählen – das hält die Kosten niedrig.
  • Fondsvermögen ist Sondervermögen und vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt (§ 92 KAGB).
  • Bei Aktien-ETFs sind für Privatanleger 30 % der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung, § 20 InvStG).
  • ETFs schwanken mit dem Markt. Für Geld, das du in wenigen Jahren brauchst, sind Aktien-ETFs ungeeignet.

So funktioniert ein ETF

Ein Index ist eine Liste von Wertpapieren nach festen Regeln, etwa die 40 größten deutschen Unternehmen im DAX oder weit über 1.000 große und mittelgroße Unternehmen aus Industrieländern im MSCI World. Ein ETF kauft die Wertpapiere dieses Index in der vorgegebenen Gewichtung. Steigt der Index, steigt der ETF – abzüglich kleiner Kosten. Fällt der Index, fällt auch der ETF.

Anders als ein klassischer Investmentfonds wird ein ETF laufend an der Börse gehandelt. Du kannst ihn also während der Handelszeiten zum aktuellen Kurs kaufen und verkaufen, über ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Viele Anbieter ermöglichen auch Sparpläne ab kleinen Monatsbeträgen.

Warum dein Geld bei einer Pleite des Anbieters geschützt ist

ETFs, die in der EU an Privatanleger verkauft werden, sind in der Regel nach den europäischen OGAW-Regeln (englisch UCITS) aufgelegt. Das Fondsvermögen ist ein Sondervermögen, das vom eigenen Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt gehalten werden muss (§ 92 Abs. 1 KAGB) und bei einer unabhängigen Verwahrstelle liegt. Geht die Fondsgesellschaft pleite, gehört das Sondervermögen nicht zur Insolvenzmasse.

Außerdem schreibt das Gesetz eine Mindeststreuung vor: Ein OGAW-Fonds darf grundsätzlich höchstens 10 % in Wertpapiere eines einzelnen Ausstellers investieren, und Positionen über 5 % dürfen zusammen nicht mehr als 40 % ausmachen (§ 206 KAGB). Das schützt vor Klumpenrisiken in einzelnen Unternehmen – nicht aber davor, dass der ganze Markt fällt.

ETF, aktiver Fonds oder Einzelaktien?

ETF, aktiv gemanagter Fonds und Einzelaktien im Vergleich
ETFAktiv gemanagter FondsEinzelaktien
Auswahl der Aktiennach Indexregelndurch Fondsmanagerdurch dich
Streuungbreit, je nach Indexbreitnur so breit wie dein Depot
Laufende Kostenmeist niedrigmeist deutlich höherkeine Fondskosten, aber Ordergebühren
Handellaufend an der Börseüber Fondsgesellschaft oder Börselaufend an der Börse
Schutz als SondervermögenjajaAktien liegen im Depot, gehören dir

Warum Kosten über die Jahre so viel ausmachen

Die laufenden Kosten eines Fonds werden als Gesamtkostenquote (englisch TER) in Prozent pro Jahr angegeben und direkt aus dem Fondsvermögen entnommen. Ein Rechenbeispiel zeigt, warum schon kleine Unterschiede zählen: 200 € im Monat über 30 Jahre, bei einer angenommenen Marktrendite von 6 % pro Jahr vor Kosten und Steuern:

Beispielrechnung mit angenommener Rendite von 6 % pro Jahr vor Kosten; eingezahlt werden 72.000 €
Laufende Kosten pro JahrEndwert nach 30 Jahren
0,2 %rund 187.600 €
0,5 %rund 177.300 €
1,5 %rund 147.700 €

Die Differenz zwischen 0,2 und 1,5 % laufenden Kosten beträgt im Beispiel rund 40.000 € – mehr als die Hälfte der eingezahlten Summe. Die angenommene Rendite ist keine Prognose; echte Renditen schwanken stark und können auch negativ sein. Der Kosteneffekt bleibt aber unabhängig davon: Jeder Prozentpunkt Kosten fehlt jedes Jahr in der Rendite.

Welche Arten von ETFs es gibt

  • Nach Anlageklasse: Aktien-ETFs, Anleihen-ETFs, Geldmarkt-ETFs und Rohstoff-ETFs.
  • Nach Region und Index: weltweit (z. B. MSCI World, MSCI ACWI, FTSE All-World), einzelne Regionen oder Länder, Branchen, Themen.
  • Nach Ertragsverwendung: Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden regelmäßig aus, thesaurierende ETFs legen sie automatisch wieder an.
  • Nach Nachbildung: Physisch replizierende ETFs kaufen die Wertpapiere des Index selbst; synthetische ETFs bilden die Wertentwicklung über Tauschgeschäfte (Swaps) mit einer Bank nach.

Für den langfristigen Vermögensaufbau setzen viele Anleger auf breit gestreute Welt-ETFs. Worauf du bei der Auswahl achten solltest, erklärt unser Ratgeber ETF auswählen.

Wie ETFs in Deutschland besteuert werden

Erträge aus ETFs – Ausschüttungen, Gewinne beim Verkauf und die jährliche Vorabpauschale bei thesaurierenden Fonds – gehören zu den Kapitalerträgen. Auf sie fallen 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an, soweit sie den Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Person und Jahr (2.000 € bei Zusammenveranlagung) übersteigen (§ 20 Abs. 9 EStG).

Für Aktien-ETFs gibt es einen Ausgleich dafür, dass im Fonds bereits Steuern anfallen: Bei Aktienfonds sind für Privatanleger 30 % der Erträge steuerfrei, bei Mischfonds 15 % (§ 20 InvStG). Als Aktienfonds gilt ein Fonds, der laut Anlagebedingungen fortlaufend mehr als 50 % in Kapitalbeteiligungen anlegt (§ 2 Abs. 6 InvStG).

Bei thesaurierenden ETFs wird jedes Jahr eine Vorabpauschale besteuert, die sich aus dem Fondswert zu Jahresbeginn und einem vom Bundesfinanzministerium jährlich veröffentlichten Basiszins ergibt (§ 18 InvStG). Sie wird beim späteren Verkauf angerechnet, sodass du nicht doppelt zahlst. Die Bank führt die Steuer automatisch ab; mit einem Freistellungsauftrag nutzt du den Sparerpauschbetrag.

Die Risiken von ETFs

  • Marktrisiko: Ein Aktien-ETF fällt, wenn der Markt fällt – in Krisen auch deutlich und über mehrere Jahre. Die Sicherheit als Sondervermögen schützt nur vor der Pleite des Anbieters, nicht vor Kursverlusten.
  • Klumpenrisiko im Index: Auch breite Indizes können stark von wenigen großen Unternehmen, Ländern oder Branchen abhängen.
  • Währungsrisiko: Ein Welt-ETF enthält viele Aktien in US-Dollar und anderen Währungen. Wechselkursänderungen wirken auf deinen Euro-Wert.
  • Spezielle ETFs: Hebel-, Short- oder sehr enge Themen-ETFs sind deutlich riskanter und für den langfristigen Vermögensaufbau meist ungeeignet.

Die wichtigste Regel: Investiere in Aktien-ETFs nur Geld, das du viele Jahre nicht brauchst, und halte einen Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto. Wie du als Einsteiger vorgehst, erklärt unser Ratgeber Geld anlegen für Anfänger; für die Altersvorsorge mit ETFs siehe ETF-Rente.

Häufige Fragen

Ist ein ETF sicher?

Vor der Pleite der Fondsgesellschaft ja, weil das Fondsvermögen Sondervermögen ist. Vor Kursverlusten nein: Ein Aktien-ETF schwankt mit dem Markt und kann zeitweise stark an Wert verlieren.

Was kostet ein ETF?

Laufende Kosten (TER) werden direkt aus dem Fonds entnommen. Hinzu kommen Kosten deines Depots, etwa Order- oder Sparplangebühren, sowie der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs an der Börse.

Ausschüttend oder thesaurierend – was ist besser?

Für den langfristigen Vermögensaufbau sind thesaurierende ETFs bequem, weil Erträge automatisch wieder angelegt werden. Ausschüttende ETFs eignen sich, wenn du regelmäßige Auszahlungen möchtest oder den Sparerpauschbetrag jedes Jahr gezielt nutzen willst. Steuerlich gibt es Unterschiede im Detail, langfristig ist der Unterschied meist gering.

Ab welchem Betrag kann ich in ETFs investieren?

Viele Banken und Broker bieten ETF-Sparpläne schon ab kleinen Monatsbeträgen an. Achte darauf, dass Gebühren bei kleinen Beträgen nicht zu stark ins Gewicht fallen.