Lohnsteuerbescheinigung verstehen: Was in den wichtigsten Zeilen steht und wofür du sie brauchst
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Hinweis zu Steuerthemen: Wir sind keine Steuerberater und leisten keine Steuerberatung. Dieser Artikel beruht auf unserer sorgfältigen Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen wie Gesetzestexten und Veröffentlichungen der Finanzverwaltung und gibt unsere Einschätzung wieder. Er ersetzt keine Beratung im Einzelfall: Lass deine persönliche Steuersituation bitte von einer Steuerberaterin, einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein prüfen, bevor du handelst. Mehr dazu.
Die Lohnsteuerbescheinigung ist die Jahresübersicht deines Arbeitgebers: Sie zeigt deinen Bruttoarbeitslohn, die einbehaltene Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer sowie deine Beiträge zur Sozialversicherung und steuerfreie Leistungen. Der Arbeitgeber übermittelt sie bis Ende Februar des Folgejahres elektronisch an das Finanzamt und gibt dir einen Ausdruck oder stellt ihn elektronisch bereit (§ 41b EStG). Für die Steuererklärung musst du die Werte nicht abtippen: Das Finanzamt kennt sie bereits, und in ELSTER kannst du sie über den Belegabruf übernehmen. Prüfen solltest du sie trotzdem.
Das Wichtigste in Kürze
- Übermittlung an das Finanzamt bis zum letzten Tag im Februar des Folgejahres.
- Zeile 3 enthält den steuerpflichtigen Bruttoarbeitslohn – nicht dein Jahresbrutto laut Vertrag.
- Zeilen 22 bis 27 enthalten deine Sozialversicherungsbeiträge, die du als Vorsorgeaufwand absetzt.
- 2026 entfällt Zeile 28 in der bisherigen Form; für die Aktivrente gibt es eine eigene Angabe.
Die wichtigsten Zeilen
| Zeile | Inhalt | Wofür wichtig |
|---|---|---|
| 1 | Bescheinigungszeitraum | meist das ganze Jahr; bei Jobwechsel nur die Monate bei diesem Arbeitgeber |
| 2 | Großbuchstaben (S, M, F, FR) und Zahl der Unterbrechungen („U“) | Besonderheiten beim Lohnsteuerabzug, siehe unten |
| 3 | Bruttoarbeitslohn einschließlich Sachbezüge | steuerpflichtiger Arbeitslohn für die Anlage N |
| 4 | einbehaltene Lohnsteuer | wird auf deine Einkommensteuer angerechnet |
| 5 | Solidaritätszuschlag | meist 0 €, weil die Freigrenze nur hohe Einkommen erreicht |
| 6 und 7 | Kirchensteuer (Zeile 7 für den Ehegatten bei konfessionsverschiedener Ehe) | als Sonderausgabe absetzbar |
| 15 | Kurzarbeitergeld, Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, Verdienstausfall nach dem Infektionsschutzgesetz, Aufstockungsbeträge und Altersteilzeitzuschläge | steuerfrei, aber mit Progressionsvorbehalt |
| 17 | steuerfreie Arbeitgeberleistungen für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte (z. B. Jobticket) | werden auf die Entfernungspauschale angerechnet |
| 18 | pauschal besteuerte Arbeitgeberleistungen für diese Fahrten (z. B. Fahrtkostenzuschuss mit 15 %) | werden ebenfalls auf die Entfernungspauschale angerechnet |
| 19 | Entschädigungen und Arbeitslohn für mehrere Jahre, die nicht ermäßigt besteuert wurden | bereits in Zeile 3 enthalten; Finanzamt prüft die Fünftelregelung |
| 20 | steuerfreie Verpflegungszuschüsse bei Auswärtstätigkeit | mindern deine absetzbaren Verpflegungspauschalen |
| 21 | steuerfreie Arbeitgeberleistungen bei doppelter Haushaltsführung | mindern deine absetzbaren Kosten |
| 22 und 23 | Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zur Rentenversicherung | Altersvorsorgeaufwendungen |
| 24 | steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung | werden von deinen Beiträgen abgezogen |
| 25 bis 27 | deine Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung | sonstige Vorsorgeaufwendungen |
Weitere Zeilen betreffen zum Beispiel Werkspensionen und andere Versorgungsbezüge, ermäßigt besteuerte Abfindungen oder nach einem Doppelbesteuerungsabkommen steuerfreien Arbeitslohn. Ist eine Zeile leer, gab es dazu bei diesem Arbeitgeber nichts.
Warum Zeile 3 nicht deinem Jahresbrutto entspricht
In Zeile 3 steht nur der steuerpflichtige Arbeitslohn. Steuerfreie Bestandteile fehlen dort, etwa steuerfreie Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit, ein steuerfreies Jobticket, steuerfreie Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung oder Gutscheine bis 50 € im Monat. Pauschal versteuerte Leistungen wie ein Fahrtkostenzuschuss zählen ebenfalls nicht dazu. Deshalb ist Zeile 3 oft niedriger als die Summe deiner Gehaltsabrechnungen.
Die Großbuchstaben in Zeile 2
- S: Die Lohnsteuer auf einen sonstigen Bezug (etwa Weihnachtsgeld oder eine Prämie) wurde ohne den Arbeitslohn aus früheren Arbeitsverhältnissen im selben Jahr berechnet.
- M: Du hast bei einer beruflichen Auswärtstätigkeit oder doppelten Haushaltsführung eine Mahlzeit bekommen, die mit dem amtlichen Sachbezugswert bewertet wurde. Dann darfst du für diesen Tag keine oder nur gekürzte Verpflegungspauschalen ansetzen. Nach dem Entwurf des Jahressteuergesetzes 2026 soll „M“ ab 2029 entfallen.
- F: Du bist steuerfrei per Sammelbeförderung des Arbeitgebers zur Arbeit gefahren. Für diese Fahrten gibt es keine Entfernungspauschale.
- FR: Grenzgänger nach Frankreich, mit Kennziffer für das Bundesland (FR1 Baden-Württemberg, FR2 Rheinland-Pfalz, FR3 Saarland).
Die Zahl der „U“ zeigt, wie oft dein Lohnanspruch für mindestens fünf aufeinanderfolgende Arbeitstage weggefallen ist, etwa bei Krankengeld nach dem Ende der Lohnfortzahlung.
Was 2026 neu ist
- Zeile 28: Der bisher bescheinigte Teilbetrag der Vorsorgepauschale für private Kranken- und Pflegeversicherung entfällt. Stattdessen werden die Beiträge zur Kranken- und Pflege-Pflichtversicherung bescheinigt (BMF-Schreiben vom 29.08.2025).
- Aktivrente: Arbeitslohn, der nach Erreichen der Regelaltersgrenze bis 2.000 € im Monat steuerfrei bleibt, wird für 2026 in einer frei belegbaren Zeile als „SteuerfreibetragAktivrente“ ausgewiesen; ab 2027 ist dafür Zeile 16c vorgesehen. Mehr dazu im Ratgeber Aktivrente.
So nutzt du die Bescheinigung in der Steuererklärung
- Belegabruf: In Mein ELSTER kannst du die übermittelten Daten abrufen und in die Anlage N und die Anlage Vorsorgeaufwand übernehmen lassen. Viele Steuerprogramme bieten das auch an.
- Abgleichen: Vergleiche den Ausdruck mit den übernommenen Werten, vor allem bei mehreren Arbeitgebern im Jahr – dann bekommst du für jeden eine eigene Bescheinigung.
- Anrechnen: Steuerfreie Arbeitgeberleistungen aus den Zeilen 17, 18, 20 und 21 musst du bei deinen Werbungskosten gegenrechnen. Wie du Werbungskosten ansetzt, steht im Ratgeber Werbungskosten.
- Progressionsvorbehalt: Steht in Zeile 15 ein Betrag, musst du bei mehr als 410 € eine Steuererklärung abgeben, siehe Progressionsvorbehalt.
Fehler in der Lohnsteuerbescheinigung
Stimmt etwas nicht – etwa ein falscher Zeitraum, eine fehlende Sonderzahlung oder ein doppelt erfasster Betrag –, sprich zuerst deinen Arbeitgeber an. In der Steuererklärung kannst du abweichende Werte eintragen und die Abweichung mit Gehaltsabrechnungen belegen. Das Finanzamt prüft dann, welcher Wert stimmt.
Häufige Fragen
Wann bekomme ich meine Lohnsteuerbescheinigung?
Der Arbeitgeber muss die Daten bis zum letzten Tag im Februar des Folgejahres an das Finanzamt übermitteln und dir einen Ausdruck aushändigen oder elektronisch bereitstellen. Fehlt er im März noch, frag in der Personalabteilung nach.
Bekommen Minijobber eine Lohnsteuerbescheinigung?
Nicht, wenn die Lohnsteuer ausschließlich pauschal erhoben wurde, etwa mit 2 % im Minijob. Wird der Minijob nach Steuerklasse abgerechnet, gibt es eine Bescheinigung.
Was bedeutet der Großbuchstabe M?
Du hast auf einer Dienstreise oder bei doppelter Haushaltsführung eine Mahlzeit vom Arbeitgeber erhalten. Für diesen Tag kürzt sich die Verpflegungspauschale.
Muss ich die Lohnsteuerbescheinigung der Steuererklärung beilegen?
Nein. Die Daten liegen dem Finanzamt elektronisch vor. Bewahre den Ausdruck trotzdem auf, um die Werte prüfen zu können.
Quellen
- § 41b EStG: Abschluss des Lohnsteuerabzugs und Lohnsteuerbescheinigung
- Haufe: BMF-Schreiben vom 29.08.2025 – Muster der Lohnsteuerbescheinigung 2026
- Haufe: Großbuchstaben S, M, F, FR in Nummer 2
- lohn-info.de: Lohnsteuerbescheinigung 2026, Zeilen und Fristen
- ING Wissen: Lohnsteuerbescheinigung verstehen
