Kryptokurse werden geladen …
Kredit

Effektiver Jahreszins: So erkennst du, was ein Kredit wirklich kostet

Fakten und Zahlen geprüft am

Der effektive Jahreszins gibt die Gesamtkosten eines Kredits als jährlichen Prozentsatz an – also nicht nur die Zinsen, sondern auch Pflichtkosten wie Vermittlungsgebühren oder ein vorgeschriebenes Konto. Er ist deshalb die richtige Zahl, um Kredite zu vergleichen. Selbst ohne Zusatzkosten liegt er etwas über dem Sollzins, weil Zinsen monatlich verrechnet werden: Aus 6,5 % Sollzins werden 6,70 % effektiv. Im August 2026 kosteten neue Ratenkredite mit ein bis fünf Jahren Zinsbindung laut Bundesbank im Durchschnitt 7,53 % pro Jahr.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sollzins: der vereinbarte Zins auf die Restschuld. Effektiver Jahreszins: Gesamtkosten pro Jahr inklusive Pflichtkosten (§ 16 PAngV).
  • Nicht enthalten sind freiwillige Versicherungen, Notarkosten und Kosten bei Zahlungsverzug.
  • In der Werbung muss ein Zins stehen, den mindestens zwei Drittel der Kunden bekommen oder unterbieten (§ 17 Abs. 4 PAngV).
  • Vergleiche immer Angebote mit gleichem Betrag und gleicher Laufzeit – anhand des effektiven Jahreszinses.

Sollzins und effektiver Jahreszins: der Unterschied

  • Sollzins (früher Nominalzins): Mit ihm berechnet die Bank die Zinsen auf die jeweilige Restschuld. Bei monatlichen Raten wird jeden Monat ein Zwölftel des Sollzinses angesetzt.
  • Effektiver Jahreszins: Er rechnet alle Kosten, die du für den Kredit zahlen musst, auf ein Jahr um und berücksichtigt, wann Zahlungen anfallen. Das Gesetz definiert ihn als „Gesamtkosten des Verbraucherdarlehens für den Verbraucher, ausgedrückt als jährlicher Prozentsatz des Nettodarlehensbetrags“ (§ 16 Abs. 1 PAngV).

Weil Zinsen monatlich verrechnet werden und du schon im Laufe des Jahres zahlst, ist der effektive Jahreszins auch ohne Zusatzkosten etwas höher als der Sollzins. Die Umrechnung lautet ohne Nebenkosten:

Effektiver Jahreszins = (1 + Sollzins ÷ 12)12 − 1

Für 6,5 % Sollzins ergibt das 6,70 %. Andere Werte rechnest du mit dem Effektivzinsrechner um.

Welche Kosten im effektiven Jahreszins stecken – und welche nicht

Kosten im effektiven Jahreszins nach § 16 Preisangabenverordnung
Im effektiven Jahreszins enthaltenNicht enthalten
ZinsenKosten bei Zahlungsverzug oder anderen Vertragsverletzungen
Vermittlungskostenfreiwillige Versicherungen und Zusatzleistungen
Kontoführung und Zahlungsmittel, wenn das Konto Voraussetzung für den Kredit istNotarkosten
Kosten einer Immobilienbewertung, wenn sie für den Kredit nötig istGrundbuchgebühren
Versicherungen, die Voraussetzung für den Kredit sindKosten für Waren oder Dienstleistungen, die unabhängig von der Finanzierung anfallen

Wichtig ist die Lücke bei Versicherungen: Eine Restschuldversicherung, die du „freiwillig“ abschließt, taucht im effektiven Jahreszins nicht auf, kann den Kredit aber erheblich verteuern. Rechne sie bei jedem Angebot separat dazu.

Rechenbeispiel: Wie Zusatzkosten den Effektivzins erhöhen

Lisa nimmt 10.000 € für 60 Monate zu 6,5 % Sollzins auf. Die Monatsrate beträgt 195,66 €. Drei Varianten:

10.000 € Kredit, 60 Monate, 6,5 % Sollzins
VarianteEffektiver Jahreszins
ohne Zusatzkosten6,70 %
mit vorgeschriebenem Konto für 5 € im Monat7,83 %
mit 3 % Vermittlungsgebühr, die von der Auszahlung abgezogen wird (Auszahlung 9.700 €)8,06 %

Der Sollzins ist in allen drei Fällen gleich – erst der effektive Jahreszins zeigt, welches Angebot wirklich günstiger ist.

Werbezinsen: Was der „Zwei-Drittel-Zins“ bedeutet

Viele Kreditangebote werben mit einem „Ab-Zins“, den nur Kunden mit sehr guter Bonität bekommen. Das Gesetz schreibt deshalb vor: Wer mit Zinsen oder Kosten wirbt, muss ein repräsentatives Beispiel nennen. Dabei muss der Werbende von einem effektiven Jahreszins ausgehen, bei dem er erwarten darf, dass mindestens zwei Drittel der aufgrund der Werbung geschlossenen Verträge zu diesem oder einem niedrigeren Zins zustande kommen (§ 17 Abs. 4 PAngV).

In der Praxis heißt das: Schau nicht auf den kleinsten Zins in großer Schrift, sondern auf das Beispiel darunter – der dort genannte effektive Jahreszins ist realistischer. Dein tatsächlicher Zins steht aber erst im persönlichen Angebot fest, das von deiner Bonität abhängt.

Was Ratenkredite derzeit kosten

Die Bundesbank veröffentlicht monatlich die durchschnittlichen Zinsen für neue Konsumentenkredite an private Haushalte. Im August 2026 (vorläufige Werte, ohne sonstige Kosten) lagen sie bei:

Neue Konsumentenkredite an private Haushalte in Deutschland, Durchschnittszinsen (Quelle: Deutsche Bundesbank, Stand 1. Oktober 2026)
Anfängliche ZinsbindungAugust 2026August 2025
variabel oder bis 1 Jahr6,41 %6,80 %
über 1 bis 5 Jahre7,53 %6,91 %
über 5 Jahre9,37 %8,67 %

Zum Vergleich: Baufinanzierungen sind wegen der Grundschuld als Sicherheit deutlich günstiger; im August 2026 kosteten sie je nach Zinsbindung im Schnitt 3,81 bis 4,40 %.

So vergleichst du Kredite richtig

  1. Gleiche Eckdaten: Vergleiche nur Angebote mit gleichem Kreditbetrag und gleicher Laufzeit.
  2. Effektiven Jahreszins nutzen: Er steht im persönlichen Angebot und im Formular „Europäische Standardinformationen für Verbraucherkredite“, das du vor Vertragsschluss erhältst.
  3. Gesamtbetrag ansehen: Er zeigt, was du insgesamt zurückzahlst – das macht Unterschiede greifbar. Die Monatsrate rechnest du mit dem Kreditrechner nach.
  4. Zusatzprodukte prüfen: Restschuldversicherungen und andere freiwillige Leistungen sind nicht im Effektivzins enthalten.
  5. Flexibilität beachten: Kostenlose Sondertilgungen oder eine vorzeitige Rückzahlung können wertvoll sein.

Hast du bereits einen teuren Kredit, kann eine Umschuldung sinnvoll sein.

Häufige Fragen

Ist der effektive Jahreszins immer höher als der Sollzins?

Bei monatlicher Zinsverrechnung ja, mindestens leicht. Bei zusätzlichen Pflichtkosten ist der Unterschied größer.

Was ist ein guter effektiver Jahreszins für einen Ratenkredit?

Das hängt von Laufzeit, Betrag und Bonität ab. Als Orientierung dienen die Durchschnittswerte der Bundesbank: Im August 2026 lagen neue Konsumentenkredite mit ein bis fünf Jahren Zinsbindung bei 7,53 %.

Warum bekomme ich nicht den beworbenen Zins?

Werbezinsen gelten oft nur für Kunden mit sehr guter Bonität. Das gesetzlich vorgeschriebene Beispiel muss aber einen Zins zeigen, den mindestens zwei Drittel der Kunden bekommen oder unterbieten.

Ist eine Restschuldversicherung im effektiven Jahreszins enthalten?

Nur, wenn sie Voraussetzung für den Kredit ist. Freiwillige Restschuldversicherungen sind nicht enthalten und müssen gesondert berücksichtigt werden.