Urlaubsabgeltung: Resturlaub bei Kündigung auszahlen lassen – Berechnung, Steuern und Arbeitslosengeld
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Hinweis zu Steuerthemen: Wir sind keine Steuerberater und leisten keine Steuerberatung. Dieser Artikel beruht auf unserer sorgfältigen Recherche in öffentlich zugänglichen Quellen wie Gesetzestexten und Veröffentlichungen der Finanzverwaltung und gibt unsere Einschätzung wieder. Er ersetzt keine Beratung im Einzelfall: Lass deine persönliche Steuersituation bitte von einer Steuerberaterin, einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein prüfen, bevor du handelst. Mehr dazu.
Kann Urlaub wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr genommen werden, muss der Arbeitgeber ihn in Geld abgelten (§ 7 Abs. 4 BUrlG). Das gilt für den gesetzlichen Mindesturlaub von 24 Werktagen bei einer Sechstagewoche – das entspricht 20 Arbeitstagen bei fünf Tagen pro Woche – und in der Regel auch für vertraglichen Mehrurlaub, sofern der Vertrag nichts anderes regelt. Die Höhe richtet sich nach dem durchschnittlichen Verdienst der letzten 13 Wochen ohne Überstundenvergütung (§ 11 BUrlG). Die Urlaubsabgeltung ist steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn. Wer danach arbeitslos ist, bekommt für die Tage des abgegoltenen Urlaubs kein Arbeitslosengeld; der Anspruch ruht so lange (§ 157 Abs. 2 SGB III). Der Anspruch auf Urlaubsabgeltung verjährt nach drei Jahren, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem das Arbeitsverhältnis endet (BAG, Urteil vom 31.01.2023, 9 AZR 456/20).
Das Wichtigste in Kürze
- Nicht genommener Urlaub muss bei Ende des Arbeitsverhältnisses ausgezahlt werden.
- Bei Austritt in der ersten Jahreshälfte gibt es ein Zwölftel des Jahresurlaubs je vollem Monat.
- Tagessatz nach dem Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen.
- Arbeitslosengeld ruht für die Zahl der abgegoltenen Urlaubstage.
Wie viele Urlaubstage dir zustehen
| Situation | Anspruch |
|---|---|
| Ausscheiden in der zweiten Jahreshälfte, Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate | voller Jahresurlaub |
| Ausscheiden in der ersten Jahreshälfte nach erfüllter Wartezeit | ein Zwölftel des Jahresurlaubs je vollem Monat (§ 5 Abs. 1 Buchst. c BUrlG) |
| Ausscheiden vor Ablauf von sechs Monaten (Wartezeit) | ein Zwölftel je vollem Monat (§ 5 Abs. 1 Buchst. b BUrlG) |
Bruchteile von mindestens einem halben Tag werden auf volle Tage aufgerundet (§ 5 Abs. 2 BUrlG). Hast du bei einem Ausscheiden in der ersten Jahreshälfte schon mehr Urlaub bekommen, als dir zusteht, darf der Arbeitgeber das Urlaubsentgelt nicht zurückfordern (§ 5 Abs. 3 BUrlG). Resturlaub aus Vorjahren ist nur dann verfallen, wenn der Arbeitgeber dich rechtzeitig auf den konkreten Urlaubsanspruch und den drohenden Verfall hingewiesen und dich aufgefordert hat, ihn zu nehmen; sonst bleibt er bestehen und ist bei Ende des Arbeitsverhältnisses abzugelten (BAG, Urteil vom 20.12.2022, 9 AZR 266/20).
So wird die Urlaubsabgeltung berechnet
Tagessatz = Verdienst der letzten 13 Wochen ohne Überstundenzuschläge ÷ Arbeitstage in diesen 13 Wochen
Bei einer Fünftagewoche sind das 65 Arbeitstage. Bei festem Monatsgehalt lässt sich vereinfacht mit drei Monatsgehältern rechnen, weil 13 Wochen ungefähr drei Monaten entsprechen. Dauerhafte Gehaltserhöhungen im Berechnungszeitraum werden berücksichtigt, Kürzungen durch Kurzarbeit oder unverschuldete Ausfälle nicht (§ 11 Abs. 1 BUrlG).
Rechenbeispiel: Nina ist seit vier Jahren im Betrieb und scheidet zum 31. Mai 2026 aus. Sie arbeitet fünf Tage pro Woche und hat nur den gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Arbeitstagen. Für fünf volle Monate stehen ihr 5/12 × 20 = 8,33 Tage zu, abgerundet 8 Tage, weil der Bruchteil kleiner als ein halber Tag ist. Genommen hat sie noch keinen. Bei 3.900 € Monatsgehalt beträgt der Tagessatz 3 × 3.900 € ÷ 65 = 180 €. Die Urlaubsabgeltung beläuft sich auf 8 × 180 € = 1.440 € brutto. Wird sie danach arbeitslos, ruht ihr Arbeitslosengeld für die Zeit der acht abgegoltenen Urlaubstage.
Steuern und Sozialabgaben
Die Urlaubsabgeltung ist Arbeitslohn und wird mit der letzten Gehaltsabrechnung abgerechnet. Lohnsteuerlich ist sie ein sonstiger Bezug nach § 39b Abs. 3 EStG, für den die Lohnsteuer gesondert über den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn berechnet wird; so hat es das Landessozialgericht Baden-Württemberg unter Verweis auf R 39b.2 Abs. 2 LStR festgehalten (Beschluss vom 21.10.2025, L 11 EG 1724/25). Das hat zum Beispiel Folgen für das Elterngeld, bei dem sonstige Bezüge nicht mitzählen. Auf die Abgeltung fallen auch Sozialversicherungsbeiträge an. Anders als eine Abfindung ist sie kein Ausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes – wie Abfindungen besteuert werden, erklärt der Ratgeber Abfindung versteuern.
Auswirkung auf das Arbeitslosengeld
Hast du wegen der Beendigung eine Urlaubsabgeltung erhalten oder zu beanspruchen, ruht der Anspruch auf Arbeitslosengeld für die Zeit des abgegoltenen Urlaubs, beginnend mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses (§ 157 Abs. 2 SGB III). Der Anspruch geht dadurch nicht verloren, die Zahlung beginnt nur später. Zahlt der Arbeitgeber die Abgeltung nicht, leistet die Arbeitsagentur trotzdem und holt sich das Geld beim Arbeitgeber (§ 157 Abs. 3 SGB III). Melde dich trotzdem rechtzeitig arbeitsuchend – eine verspätete Meldung kann eine Sperrzeit auslösen. Wie hoch das Arbeitslosengeld danach ist, steht unter Arbeitslosengeld-Höhe.
Verjährung und Erben
- Verjährung: Der Abgeltungsanspruch verjährt nach drei Jahren, beginnend am Ende des Jahres, in dem das Arbeitsverhältnis endet (BAG 9 AZR 456/20). Achtung: Arbeits- oder Tarifverträge enthalten oft Ausschlussfristen, die deutlich kürzer sein können.
- Erben: Endet das Arbeitsverhältnis durch den Tod des Beschäftigten, haben die Erben Anspruch auf Abgeltung des nicht genommenen Urlaubs (BAG, Urteil vom 22.01.2019, 9 AZR 45/16, nach der Rechtsprechung des EuGH).
Häufige Fragen
Muss der Arbeitgeber Resturlaub bei Kündigung auszahlen?
Ja, wenn du den Urlaub wegen der Beendigung nicht mehr nehmen kannst (§ 7 Abs. 4 BUrlG). Kannst du ihn in der Kündigungsfrist nehmen, wird er in der Regel als Freizeit gewährt.
Wie wird die Urlaubsabgeltung versteuert?
Als Arbeitslohn, lohnsteuerlich als sonstiger Bezug. Sozialversicherungsbeiträge fallen ebenfalls an.
Bekomme ich Arbeitslosengeld, wenn ich Urlaub ausgezahlt bekomme?
Ja, aber erst später: Für die Zahl der abgegoltenen Urlaubstage ruht der Anspruch, beginnend mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses.
Kann ich auf die Urlaubsabgeltung verzichten?
Von den Regeln des Bundesurlaubsgesetzes darf – außer durch Tarifvertrag – nicht zu deinen Ungunsten abgewichen werden (§ 13 Abs. 1 BUrlG). Ob ein Verzicht in einem Aufhebungsvertrag wirksam ist, solltest du vor der Unterschrift prüfen lassen.
Quellen
- § 7 BUrlG: Abgeltung des Urlaubs, § 5 BUrlG: Teilurlaub, § 11 BUrlG: Urlaubsentgelt
- § 157 SGB III: Ruhen bei Urlaubsabgeltung
- Bundesarbeitsgericht: Urlaubsabgeltung – Verjährung (Urteil vom 31.01.2023, 9 AZR 456/20)
- Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.01.2019, 9 AZR 45/16: Urlaubsabgeltung für Erben
- LSG Baden-Württemberg, Beschluss vom 21.10.2025, L 11 EG 1724/25: Urlaubsabgeltung als sonstiger Bezug (IWW)
- § 13 BUrlG: Unabdingbarkeit
